Schlaglicht: Praxis AR
Augmented Reality in der Praxis:
Ideen entdecken, Erfahrungen sammeln, eigene Wege gehen.
Erste Schritte
Ziele klären, Rahmen prüfen und mit überschaubarem Aufwand beginnen.
Worum geht es hier?
Augmented Reality (AR) klingt immer noch ein wenig wie Zukunftsmusik – und zugleich begegnet uns die Technik inzwischen in Museen, auf Spielplätzen oder beim Navigieren durchs Kaufhaus. Während Virtual Reality uns in völlig digitale Welten entführt, legt AR ein digitales „Overlay“ über die reale Umgebung: Die Kamera des Smartphones erkennt ein Objekt oder einen Ort und blendet zusätzliche Informationen darüber ein. So wird ein Buch lebendig, ein Werkstück zeigt seine Bauanleitung, oder der Wortschatz wächst mitten im Stadtpark.
Auf dieser Seite geht es weniger um die technischen Grundlagen – die erläutern wir in den entsprechenden Rubriken unserer Homepage – als vielmehr um den Praxisblick: Wie startet man ein kleines AR‑Projekt für den eigenen Kurs? Welche Ansätze haben sich bewährt? Und welche Werkzeuge helfen Ihnen, ohne große Vorkenntnisse in die Umsetzung zu kommen? Diese Fragen leiten uns durch das folgende Schlaglicht.
Wie fange ich an?
Bevor man sich für eine App oder Plattform entscheiden, ist es hilfreich, ein paar Eckpunkte zu klären:
Welches Ziel verfolge ich?
Möchte man Sprachlernende im Alltag unterstützen, berufliche Abläufe trainieren oder in ein bestimmtes Szenario tiefer eintauchen? Das Ziel bestimmt den Umfang und die Komplexität Ihrer AR‑Idee.
Welche Geräte stehen zur Verfügung?
Viele Anwendungen laufen direkt im Browser des Smartphones oder Tablets. Für erste Schritte benötigt man lediglich ein Gerät mit Kamera; zum Erstellen eigener Inhalte genügt oft ein Computer mit Internetzugang
Klein anfangen lohnt sich. Am besten startet man mit einem einzelnen Bild, das einen 3D‑Gegenstand oder ein Video auslöst, und probiert es mit der eigenen Zielgruppe aus. Anhand von Feedback kann man dann die Anwendung iterativ weiterentwickeln.
No‑Code‑Werkzeuge nutzen. Es gibt inzwischen Plattformen, die per Drag‑and‑Drop das Erstellen von AR‑Inhalten ermöglichen (s. „Werkzeuge“). Ein wenig Einarbeitung ist nötig, aber man muss gar nicht programmieren.
Zugänglichkeit und Datenschutz bedenken. Wichtig ist, darauf zu achten, dass alle Teilnehmenden die nötige Hardware nutzen können, und zu überlegen, wie Inhalte auch barrierefrei oder in alternativen Formaten bereitgestellt werden können. Datenschutz und Nachhaltigkeit sollten ebenfalls bedacht werden.
Praxis gestalten
Wie AR konkret im Kursraum oder im Alltag eingesetzt werden kann.
Ideen für die Praxis
AR kann sehr unterschiedlich eingesetzt werden. Die folgenden Beispiele zeigen, wie breit die Möglichkeiten gefächert sind:
Lernen vor Ort
In der Fremdsprachendidaktik kann das eigene Umfeld zur Lernhilfe werden: Mit einer AR‑App werden Gegenstände im Raum markiert und ihre Bezeichnungen in der Lernsprache eingeblendet. Der Lernprozess wird intuitiv und ganzheitlich, ein Ansatz, den unter z.B. Mondly AR verfolgt. Eine Studie mit erwachsenen Sprachlernenden, die im Alltag Google Lens nutzten, zeigt, dass solche Einsätze die Selbstwirksamkeit stärken und neue Lernstrategien hervorbringen.
Realitätsnahes Training
In berufsbildenden Kontexten eignet sich AR besonders, um Arbeitsabläufe zu üben. Virtuelle Objekte werden dort eingeblendet, wo sie im echten Setting gebraucht werden. AR bietet den Vorteil, dass Lernende die reale Umgebung weiterhin wahrnehmen aber Gefahren oder Probleme vorerst vermeiden können.
Lernstationen & Parcours
Aus den eigenen (Kurs-)Räumen eine Entdeckungsreise machen: Mit gedruckten Markern oder QR‑Codes können AR-Inhalte im Raum platziert werden. Teilnehmende scannen die Marker und sehen z.B. Videos, 3D‑Modelle oder Quizfragen. Auch ortsbasierte Parcours sind möglich: per GPS-tracking erscheinen Aufgaben an bestimmten Punkten in der Stadt, und Lernende erkunden ihre Umgebung mit neuen Augen. Wer sich ein wenig Programmieren zutraut, kann beides sehr leicht mit AR.js umsetzen.
Werkzeuge entdecken
Tools für die Umsetzung eigener AR-Projekte.
Welche Werkzeuge helfen beim Umsetzen?
AR.js & AR.js Studio
Eine offene Code-Bibliothek (JS steht für JavaScript), mit der AR direkt im Webbrowser realisiert werden kann, ohne App‑Installation. Unterstützt Bild‑, Marker‑ und GPS‑basiertes AR. AR.js Studio erlaubt die Entwicklung von WebAR-Anwendungen auf Basis von AR.js ganz ohne Programmieren, mit grafischer Oberfläche.
Kostenfrei und ohne Registrierung.
ARTutor
Eine Bildungsplattform, mit der klassische Lernmaterialien durch 3D‑Modelle, Videos, Bilder oder Quiz ergänzt werden können. Sie besteht aus einem Online‑Autorensystem und einer mobilen App. Komplett ohne Programmierung nutzbar, wissenschaftlich evaluiert und mit Mehrsprachen‑Unterstützung.
Kostenfrei mit Registrierung.
MyWebAR
Ein einfacher Drag‑and‑Drop‑Editor zum Erstellen eigener AR‑Erlebnisse. Nutzer:innen fügen Bilder, Videos oder 3D‑Modelle in eine Szene ein und veröffentlichen sie mit wenigen Klicks. Nicht spezifisch für den Bildungskontext entwickelt.
Eingeschränkt kostenfrei.
Assemblr Studio
Ein leicht zu bedienender Editor für AR- und 3D-Erlebnisse mit verschiedenen vorgefertigten Inhalten und einer KI-Option zum generieren von eigenen 3D-Inhalten anhand von Bildern.
Eingeschränkt kostenfrei.
Weiterdenken
In die Zukunft schauen, gemeinsam gestalten und Ideen sammeln.
Wie geht es in Zukunft weiter?
AR‑Technik entwickelt sich rasant. Gleichzeitig stellen sich neue Fragen: Wann werden erschwingliche AR‑Brillen zum Standard im Alltag? Wie sorgen wir dafür, dass auch Lernende ohne aktuelles Gerät nicht ausgeschlossen werden? Können digitale Overlays so gestaltet werden, dass sie inklusiv und nachhaltig sind? Und wie verbinden wir all das mit guten didaktischen Konzepten?
Wir möchten alle Interessierten einladen, gemeinsam mit uns Antworten zu finden. Erzählen Sie uns von Ihren Projekten, Ihren Ideen und Ihren Fragen – denn die Praxis lebt vom Austausch.
Unsere AR-Ressourcen
In unserer Ressourcensammlung finden sich neben Werkzeugen zum Entwickeln von AR-Anwendungen wie hier vorgestellt zahlreiche fertige AR-Apps für Ideen und Inspiration oder zum direkten Einsatz.
